
Der Junggesellinnenabschied kommt immer mehr in Mode. Warum sollten die jungen Frauen vor der Hochzeit auch weniger ausgelassen feiern als die jungen Männer?
Die Übertragung ländlicher Hochzeitbräuche in ein urbanes Umfeld mit entsprechend frecher Ausgestaltung ist schon seit Jahrzehnten „in“. Da ist es nur konsequent, wenn sich moderne junge Frauen das gleiche Recht herausnehmen.
Mit dem „letzten Abend in Freiheit“ bietet sich zudem für den Freundinnenkreis um die Braut eine wunderbare Möglichkeit, auf fröhliche Weise vom bisherigen Leben Abschied zu nehmen. Denn mit der Gründung einer Familie beginnt eine neue Etappe. Der Junggesellinnenabschied ist sozusagen die letzte Möglichkeit, alle Jugendstreiche und die Unbeschwertheit der bisherigen gemeinsamen Zeit noch einmal richtig auszukosten. Wenn junge Frauen um die Häuser ziehen, fallen die Streiche und der Spaß in der Regel auch nicht ganz so derb aus wie bei den Herren der Schöpfung. Das öffentliche Umfeld nimmt solche Aktionen auch weniger misstrauisch auf als bei jungen Männern.
Und die Mädchen haben viel bessere Gestaltungsmöglichkeiten als Männer. Das beginnt schon bei der Kostümierung. Denn beim Junggesellinnenabschied ist es Brauch, sich schön auffällig anzuziehen. Schließlich sollen ja unbedingt alle mitbekommen, dass die Braut zum letzten Mal mit ihren Freundinnen unterwegs ist. Auch soll jeder, der in die Spiele und Streiche der Feiergesellschaft hinein gezogen wird, gleich wissen, dass es sich hier eindeutig um einen Spaß handelt. Entsprechend bunt wird man sich also herrichten. Da hat das weibliche Geschlecht natürlich riesige Vorteile: Frisur, Make-up, schräge Sachen, Strümpfe und Accessoires geben bei ihnen viel mehr her als bei Männern.
Aber ein wenig Zurückhaltung ist auch geboten. Schließlich gibt es auch einen großen Teil unter den Herren, die einen solchen Aufzug gern missdeuten wollen. Deswegen macht sich ein spezielles T-Shirt für den Junggesellinnenabend gut. Erstens vermeidet man damit zuviel Aufmerksamkeit für das Dekollete, zweitens wird man als Gruppe wahrgenommen und drittens tragen solche T-Shirts mit witzigen Sprüchen, Karikaturen oder Signets richtig zur guten Stimmung bei.
Denn die ist nötig, wenn die Braut ihre Aufgaben erfüllen muss. Die Wichtigste: Spenden sammeln für Getränke. Dafür müssen Leute auf der Straße oder in Gaststätten angesprochen werden. Die Bereitschaft der Passanten erhöht sich natürlich ungemein, wenn man kleine Sachen originell anpreist und verkauft.
Das ganze kann auch als Tombola oder Versteigerung inszeniert werden. Unter den Sachen, die man jetzt nicht mehr braucht, findet sich dafür schon Einiges. Der einträglichste Handel ist natürlich das Küsse-Verkaufen. Das Klientel dafür sucht man sich aber am Besten unter älteren Herren. Diese wissen es auch wirklich als Spaß zu nehmen und sind in der Regel spendabler als junge Männer.